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Inspiriert
vom Amerikaner George Mortimer Pullman hatte der Belgier Georges
Nagelmackers gegen beinahe unüberwindliche Widerstände
den legendären ORIENT-EXPRESS ins Leben gerufen. Am 4. Oktober
1883 setzte sich der erste Zug aus dem Pariser Bahnhof "Gare
de l'East" mit Ziel Konstantinopel (heute Istanbul) in Bewegung,
da hieß er noch "Express d'Orient", seit 1892 dann
"Orient Express".
Der Zug fuhr zweimal in der Woche von Paris (19:30 Uhr) über
Straßburg, München, Stuttgart, Wien (23:15 Uhr), Preßburg,
Budapest (6:09 Uhr), Szeged, Orsova, Pitesti, Bukarest (4:45 Uhr)
nach Giurgiu (6:45 Uhr). Dort wurde auf einem kleinen Dampfschiff
die Donau gekreuzt, und einfache Züge brachten die Reisenden
nach Varna, wo ein Dampfer des Österreichischen Lloyd bereit
lag, mit dem die Reisenden nach Konstantinopel reisten, wo sie am
5. Tag, morgens um 8:15 Uhr, eintrafen. Es wurde mit vier Wagons
gefahren, dem WL 75, dem ersten Drehgestell-Schlafwagon der CIWL,
teakfarben, dem WL 77, einem dreiachsigen Schlafwagon mit offener
Plattform, mit dem Speise- und Küchenwagon WR 107 und einem
zweiachsigen Packwagon. Für den "Orient Express"
mussten neue Gewichtsmaße gelten, denn der Packwagon des damaligen
Jet-set mit einer ganzen Armada von Schrankkoffern übertraf
alle Gewichtsangaben für Reisezüge.
Es
gab drei klassische Züge: die französischen Wagen waren
Braun, Blau-creme mit ovalen Türfenstern, die britischen Züge
waren Flaschengrün, Braun-creme oder Blauweiß, die deutschen
Wagen (Mitropa) waren Bordeauxrot. Er war der große Expresszug,
ein Hotelpalast auf Schienen und so wurde er "König der
Züge" genannt. Der Orient Express bot höchsten Luxus
und ein Reisen ohne Umsteigen. Berühmt wurde der Orient Express
durch seine extravagante Aufmachung. Er hatte einen Speisewaggon,
Barwaggon, Rauchsalon, ein Damenboudoir, eine Bibliothek und Waggon
mit Bad-Duschkabinen. Das Dinner im Orientexpress war eine große
Besonderheit. Mehrerer Stunden wurde bei Kerzenschein gespeist,
jede Stunde, jeder Tag schrieb Geschichten und Legenden über
Politik, Finanzen, Geschäfte, Kunst und Liebe. Aber bedenkt
man wie lang der Zug unterwegs war (1883 dauert die Fahrt mit dem
Orientexpress von Paris via Belgrad nach Konstantinopel 80 Stunden,
1902-1914 63 Stunden), war die Einnahme der Mahlzeiten das Einzige,
was die anstrengende und eintönige Fahrt, neben den ausgelassenen
Plaudereinen, genussvoll machte.
Die beiden Weltkriege setzten dem Orient Express sehr zu. Letztlich
war es dann die übermächtige Konkurrenz auf der Straße
und in der Luft, die ihn aus dem Rennen warf. Im Mai 1976 nahm der
"König der Züge", der Star aus Film und Literatur,
die Strecke nach Istanbul das letzte Mal unter die Räder.
Etliche Male hat der Orientexpress die Schriftsteller und Autoren
zu Werken angeregt.
Romane im ORIENT EXPRESS:
"Orientexpress", 1950 Graham Greene, Verfilmung
"Orientexpress", 1979 Pierre-Jean Remy
"Murder in the Orient Express" 1933 Agatha Christie, Verfilmung
1974, Regie: Sidney Lumet
Filme im ORIENT EXPRESS:
"Orientexpress", Deutschland 1944, Regie: Viktor Tourjansky
"Orientexpress" (Orientexpress/Entscheidung in der Weihnachtsnacht),
I/F/BRD 1954, Regie: Carlo L. Bragaglia
"Liebesgrüße aus Moskau" (James Bond 007)
"Agatha", E 1976, R. Michael Adepted
"Kein Koks für Sherlock Holmes", USA 1979, Regie:
Herbert Ross
Der Zug ist das exakte Spiegelbild der jeweiligen Epoche. Das trifft
für die Technik als auch für die Inneneinrichtung zu.
Nach dem historischen Samt und Plüsch des 19. Jahrhunderts
hielt die neue Zeit auch im Schlaf- und Speisewagen Einzug, vertreten
durch namhafte Künstler, die Art Nouveau, Jugendstil und Art
Deco repräsentierten. Ornamente, Intarsien, Glasreliefs und
Ledertapete, sollten der um sich greifenden Versachlichung der Ingenieurkonstruktion
Einhalt gebieten, damit das Klientel sich wohl fühlen konnte.
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