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Hampstead
Ländliches Idyll mitten in der Großstadt
London
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Wer abseits der üblichen Touristenströme durch die
englische Metropole wandeln möchte, der sollte seinen London-Aufenthalt
in Hampstead verbringen. Während die Touristen zum Piccadilly
Circus, nach Westminster und zur Tower Bridge stürmen, nur
um sich dann Abends am ewig lauten Leicester Square zu sammeln,
genießt man in Hampstead romantische Häuser, grüne
Parks und beschauliche Friedhöfe. Dieser Stadtteil ist etwas
ganz besonderes, nicht nur weil einem hier Oasis-Sänger Liam
Gallagher über den Weg läuft, oder man Starkoch Jamie
Oliver am Gemüsestand trifft. Hampstead gilt als einer der
schönsten Fleckchen Londons. Nur hier kann man stundenlang
durch Wald und Wiesen wandern, und ist trotzdem nur 4 U-Bahn-Stationen
von Big Ben entfernt! (Jubilee Line ab Station Finchley Road)
Viele In-Viertel in London waren früher ein Slum, Notting
Hill zum Beispiel, oder Islington. Hampstead hingegen galt schon
immer als exklusiv. Im 18. Jahrhundert war es ein Kurort der britischen
Metropole. Hampstead liegt auf mehreren Hügeln über
dem Themsetal und ragte daher seit jeher aus dem berüchtigten
Nebel, der zusehends die ungesunden Ausdünstungen der weltweit
ersten industrialisierten Stadt mit sich trug, heraus. Doch auch
als sich der Moloch London immer weiter ausbreitete und die Felder
um Hampstead verschluckte, blieb die idyllische Enklave unangetastet.
Seit jeher fühlt man sich an den Stadtrand, wenn nicht sogar
aufs Land versetzt.
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| Das liegt primär an Hampstead Heath, einem hügeligen
Wald- und Wiesengebiet mit weitreichender Heidelandschaft (heathland).
Auf dem im südöstlichen Teil gelegenen Parliament Hill,
fälschlicherweise häufig als höchster Punkt der Parkanlage
bezeichnet, lassen die Londoner gerne ihre Drachen steigen auf Grund
der günstigen und relativ starken Winde die hier herrschen.
Viele beobachten von hier auch einfach nur die bunten Vögel
im untergehenden Sonnenlicht, wie sie über die Dächer
und Türme von Hampstead und Highgate fliegen, und genießen
dabei den wohl spektakulärsten Ausblick auf die Stadt. Das
Panorama reicht von den futuristischen Bauten der Docklands, über
die Kuppel der St. Paul Cathedral und dem Riesenrad "London
Eye" bis zum BT Tower. Von hier scheint die Stadt unendlich
zu sein, gleichzeitig meint man zu begreifen, warum so viele Menschen
enge, heruntergekommene Behausungen, ständig überfüllte
U-Bahnen und ein chronisch überzogenes Bankkonto in Kauf nehmen,
nur um in diesem Moloch zu leben. |
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Vom
Parliament Hill ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Friedhof von
Highgate (U-Bahn: Archway oder Highgate). Der Highgate Cemetary
ist ein Ort melancholischer Schönheit, mit gewundenen Pfaden
und knarrenden Gattern aus Gusseisen. Nur spärliches Sonnenlicht
fällt durch das Blätterdach des Totenwaldes, und illuminiert
Engel mit gebrochenen Flügeln, schiefe Kreuze und Grabplatten
unter Efeu. Der westliche Teil des Friedhofs war früher eine
parkähnliche Anlage, in der sich nur die Reichsten der Reichen
eine letzte Ruhestätte leisten konnten. Entsprechend monumental
sind die heute verwitterten Grabmale. Mitten im Gestrüpp findet
sich ein Konzertflügel aus Marmor, oder ein von Farn umwucherter
schlafender Löwe bewacht das Grab eines Zirkusdirektors aus
viktorianischer Zeit und ein moosgrüner Hund hält seinem
Herrn in Ewigkeit die Treue. Hinzu kommen unzählige Pyramiden
und Obelisken in kniehohem Gras, die von der Ägyptenbegeisterung
der Zeitgenossen Oscar Wildes zeugen. Vermutlich wollten sich die
hier Begrabenen ein Stück Unsterblichkeit kaufen, doch heute
sind die verwitterten Namen kaum noch lesbar, und kein Mensch kennt
sie mehr. |
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| Aber ein vertrauter, und zu allem Überfluss auch
noch deutscher Kopf ragt aus dem Dunkel des Friedhofs heraus. Es
ist kein Geringerer als Karl Marx, der 1883 hier seine letzte Ruhestätte
fand, allerdings auf dem östlichen, dem ärmeren Teil des
Friedhofs. Sein ursprünglich bescheidenes Grabmal wurde 1954
durch eine große Porträtbüste und der bekannten
Inschrift "WORKERS OF ALL LANDS UNITE" ersetzt. Doch vereinzelt
findet man auch bekannte zeitgenössische Namen auf dem Friedhof
von Highgate. So ließ sich der genial-verrückte Science-Fiction-Autor
Douglas Adams hier begraben, der 2001 von uns gegangen ist. |
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Nicht
nur Karl Marx, auch andere deutsche Emigranten fühlten sich
von Hampstead angezogen. So wurde hier 1921 Sir Peter Ustinov
geboren, sein Vater war Presseattaché der deutschen Botschaft.
Er selbst wuchs mit deutschem Pass auf, erst 1935 ließ sich
die Familie in Großbritannien einbürgern, da die Nürnberger
Rassegesetze der Familie den Ausschluss aus dem deutschen Staatsdienst
bescherten. Überhaupt setzte mit der Machtergreifung der
Nazis ein wahrer Emigrantenstrom ein. Es entstanden deutsche Konditoreien,
Klubs und Restaurants in Hampstead. Zu den bekanntesten deutschsprachigen
Zuzüglern dieser Zeit gehörten der politische Lyriker
Erich Fried, der Schriftsteller Elias Canetti oder der Vater der
Psychoanalyse: Siegmund Freud.
Heute ist Hampstead bei weitem nicht mehr so deutsch geprägt,
wie es in der Vergangenheit mal war. Doch auch weiterhin beherbergt
der Stadtteil berühmte Deutsche, so zum Beispiel Herbert
Grönemeyer, den man beim Picknick auf dem Heath treffen kann
und der sichtbar genießt in England völlig unbekannt
zu sein. Hampstead ist auch nicht mehr die Künstlerkolonie
früherer Tage, dafür ist es schlichtweg zu teuer. Trotzdem
ist es wieder ein beliebter Wohnort für Popstars und Hollywoodschauspieler
geworden. Die Reichen und Schönen wissen es zu schätzen
in Hampstead keine Autogrammjäger fürchten zu müssen,
denn die Touristen Londons kommen meist nicht so weit, und wer
hier wohnt, empfindet es als peinlich einen Star auf der Straße
anzuquatschen. Man tut lieber so, als würde man ihn nicht
erkennen. Das ist auch britisches Understatement.
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Es
ist der Prominenz aber auch nicht zu verdenken, wenn sie sich
Hampstead als Wohnort aussucht. Hier gibt es wundervolle Residenzen,
die geschmackvoll, aber nicht protzig sind, so zum Beispiel das
schlossähnliche Haus Mount Vernon. Ganz in der Nähe
findet sich schließlich auch das Admiral`s House, weltweit
bekannt durch den Film "Mary Poppins". Und noch weitere
Häuser in Hampstead sind mittlerweile als romantische Filmkulisse
bekannt geworden, wie zum Beispiel das in Hampstead Heath gelegene
Kenwood House, in dessen Park Teile des Films "Notting Hill"
gedreht wurden. Doch nicht nur deshalb sollte man dieses Herrenhaus
unbedingt besuchen. Das von einem Erben der Bierbrauerfamilie
Guinness an die englische Nation gestiftete Anwesen ist berühmt
für seine herausragende Gemäldesammlung, die zugänglich
ist, sowie für seine Freiluftkonzerte in den Sommermonaten.
Hampstead ist also durchaus mehr als nur einen Tagesausflug wert,
man könnte seinen ganzen Urlaub nur in Hampstead verbringen.
Da ist es fast schon schade, dass die Weltstadt London noch so
viel mehr zu bieten hat als dieses Kleinod.
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