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Der Regenschirm erobert das Königreich
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Der
Regenschirmpionier |
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Als Pionier des Regenschirms gilt der englische Handelsmann Jonas
Hanway. Auf den ersten Blick verwundert dies gar nicht, schließlich
gilt die Themsestadt (zu unrecht) als Regenloch und scheint somit
wie geschaffen für den Siegeszug dieser Erfindung. So erstaunt
es doch, dass der Regenschirm in England anfangs auf breite Ablehnung
stieß. Noch Mitte des 18. Jahrhunderts setzten sich Gentlemen,
die einen Regenschirm trugen, dem Gelächter ihrer Mitbürger
aus. Nicht anders erging es Jonas Hanway (1712 - 1786), als er
mit einem kunstvoll gefertigten, aber durchaus monströsen
Regenschirm durch die Straßen Londons spazierte. Dabei war
Hanway ein ehrenwertes Mitglied der Londoner Gesellschaft, trotzdem
warfen Straßenjungs Steine auf den aufgespannten Regenschutz
und beschimpften ihn als Franzosen. Schnell schlossen sich Sänftenträger
und Kutscher an, fürchteten sie doch um ihr Geschäft
an Regentagen.
Hanway hatte den Regenschirm tatsächlich aus Frankreich
mitgebracht. Bis dahin war es in England üblich sich mit
einem großen, breitkrempigen Hut vor dem Regen zu schützen.
Zusätzlich schlug man sich noch ein Tuch um die Schultern.
Doch diesem ungeschriebenen Gesetz wollte sich Hanway nicht beugen.
Drei Jahrzehnte lang ging er stoisch bei jedem Wetter mit seinem
Schirm durch die Straßen und Gassen Londons. Dank seiner
Hartnäckigkeit wurde der ursprünglich verpönte
Gegenstand zum ständigen Begleiter des britischen Gentleman.
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Die nötige Anerkennung für diese Tat wurde
ihm aber nie zuteil. Eine Gedenktafel in der Westminster Abbey
erinnert zwar an seine Gründung des Magdalenen Hospital,
das Findelkinder und Prostituierte aufnahm, dass wir ihm aber
auch den Siegeszug des Regenschirms verdanken, verschweigt die
Tafel.
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Der
Regenschirm als Bekleidungsstück |
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Erst im Jahr nach Hanways Tod erlaubte die "Royal Society"
den Gentlemen das Tragen eines Regenschirms. Doch dies reichte
nicht, um ihn zu einem Alltagsgegenstand zu machen. Anfangs waren
die Gestelle der Regenschirme aus Holz und Fischbein und wurden
mit schwerer Wachsleinwand bezogen. So konnte ein Schirm gut fünf
Kilo wiegen. Erst 1852 ließ sich Samuel Fox aus Sheffield
ein Stahlgestell patentieren, wodurch das Gewicht stark reduziert
werden konnte. Dank günstiger Importrohstoffe aus den zahlreichen
englischen Kolonien konnten im Königreich nun günstig
Regenschirme produziert werden. Die massenhafte Verbreitung begann.
Bereits 1830 eröffnete das erste Regenschirmgeschäft
der Welt in der Londoner Foubert Street: "James Smith &
Sons". Mittlerweile umgezogen in die New Oxford Street existiert
das Geschäft noch heute und versprüht den Charme der
Victorianischen Zeit.
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Der
Regenschirm heute |
| Der klassische englische Schirm ist schwarz, schlank
und stets exakt gerollt. Bis heute gehören handgefertigte Schirme
mit dem Stahlgestell des Erfinders Fox, dem "Fox Frame",
zu den besten Schirmen der Welt. Mit dreifach verwebter Seide bespannt
perlt das Regenwasser hervorragend ab, darüber hinaus trotzt
der "Fox Frame" auch heftigsten Windböen. Viele Käufer
frönen darüber hinaus ihrem Individualismus durch ausgefallene
Schirmgriffe. Diese sind dann vergoldet oder aus Sterlingsilber,
mit Leder bespannt oder aus Horn, Schildpat, Elfenbein oder bestimmten
Edelhölzern. Hinzu kommen diverse Spezialanfertigungen. So
besaß Wellington, Sieger bei der Schlacht von Waterloo, einen
Schirm in dessen Griff ein versteckter Degen saß. Heute findet
man eher in den Griff integrierte Bleistifthalter vor, um beim "Horse-Racing"
auf der Rennbahn in Ascot leichter Wettscheine ausfüllen zu
können. |
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