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Die englische Tradition des Tees
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| Als verderbenbringende Droge verrufen und als medizinisches
Allheilmittel gepriesen hielt der Tee zwischen 1652 und 1654 in
England Einzug. Katharina von Braganza, Gemahlin von König
Charles II. (1630-1685), mengte dem Tee erstmals Milch bei, angeblich
weil das feine Porzellan ansonsten aufgrund der heißen Flüssigkeit
springen würde. Anna, Herzogin von Bedford, empfand um 1800
den speisefreien Nachmittag als zu lang und lud deshalb ihre Freunde
zu einem kleinen Nachmittagsmahl mit Tee, Sandwiches, Kuchen und
Konfekt ein. Schnell etablierte sich der Nachmittagstee in der Londoner
Gesellschaft. In den 1860ern war er bereits als soziales Ritual
fest in der englischen Kultur verankert. |
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Die
strenge Etikette des Hochadels |
| Eine strenge Etikette gebot über alle Aspekte
des Nachmittagstees in adeligen Kreisen, von der Kleidung der geladenen
Gäste bis zu der Position der Finger, mit der man die Tasse
zu halten hatte. Die gewöhnliche Zeit für den Nachmittagstee
(Tea Time) ist 16 oder 17 Uhr. Gäste bleiben biemals
länger als bis 19 Uhr. Die Damen und Gentleman wurden früher
mit einer Karte schriftlich eingeladen. Der Nachmittagstee diente
der Erholung, was sich auch in der Wahl der Gesprächsthemen
niederschlug. Gespräche über das Geschäft oder gar
Politik wurden vermieden und in die Abendstunden verlegt.Die Einhaltung
der strengen Etikette konnte darüber entscheiden, ob man in
adligen Kreisen Sympathien oder Ablehnung erntete. Zum Glück
sind die gesellschaftlichen regeln heute nicht mehr so. |
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Die
Tea Time außerhalb des Adels |
| Die Mittel- und Unterklassen wurden erst spät
von der Teetradition erfasst. Die frühen Teeimporte waren so
teuer, dass die aristokratische Hausherrin den Tee in einer abschließbaren
Dose unter verschluss hielt. Die Bediensteten nutzen die alten Teeblätter
nach dem Nachmittagstee für den eigenen Genuss und verkauften
sie danach an die ärmeren Klassen weiter. Nach einer Senkung
der Teebesteuerung 1784 vervielfachte sich der Konsum. Die Teekultur
durchdrang nun alle Schichten, wenn auch nicht ohne Unterschiede.
Auf niedrigen Teetischen wurde in aristokratischen Kreisen der low
tea serviert. Er war gleichermaßen Stärkung und sozialer
Ritus, ähnlich dem des Hochadels. Der high tea fand
hingegen in der Mittel- und Unterklasse weite Verbreitung. Der Tee
wird am (hohen) Esstisch mit Rinderbraten, Kartoffeln und Erbsen
serviert und ersetzt nicht selten das Dinner. |
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Orte
für den Nachmittagstee |
| Während früher der Nachmittagstee ausschließlich
in der heimischen "Guten Stube" serviert wurde, begann
man Ende des 19. Jahrhunderts auch außerhalb der Teeleidenschaft
zu fröhnen. Wem es an Raum und dem feinen Teeservice oder,
im Sommer, an einem gepflegten Garten mangelte, der lud zum Nachmittagstee
in ein Hotel ein. Hierfür wurden in den 1890ern sogenannte
Erfrischungsräume in den Hotels eingerichtet. In den Jahren
vor dem Ersten Weltkrieg schließlich verbanden die Hotels
den Teegenuss am Nachmittag mit Tänzen zur Musik einer Tanzkapelle.
Dies nannte man dann Tea Dance. |
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Die
'Mincing Lane' |
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Der Name "Mincing Lane" ist für echte
Teekenner ein Begriff:
Die enge und einst unbekannte Gasse in London war im Jahre 1834
Schauplatz der ersten Tee-Auktion. Damit wurde sie zum berühmtesten
Handelsplatz für die damals heißbegehrte Ware Tee!
Tee kam in diesen Tagen fast ausschließlich aus China. Die
weite Passage vom Pazifik bis an die Küste Englands wurde damals
zur Rennstrecke für die Kapitäne. Sie kämpften auf
dem langen Seeweg um die Ehre, als erstes Schiff die neue Tee-Ernte
in der "Mincing Lane" anliefern zu können.
In jener Zeit gehörte die "Cutty Sark" zu den schnellsten
Segelschiffen auf den Weltmeeren. Ihre lange, sehr schlanke Form
machte sie zu einem besonders schnittigen und wendigen Schiff, zu
einem nach Art der Fracht benannten Teeclipper. Allein ihre besondere
Schnelligkeit hielt sie konkurrenzfähig zu den aufkommenden
Dampfschiffen. Und so war sie am 29. Juni 1874 das einzige Segelschiff
unter 13 Dampfschiffen, dessen neu eingetroffene Fracht von "New
Season's Teas" in der Zeitung angekündigt wurde.
Die Zeiten haben sich gewandelt, aber der Wunsch, gemütliche
Teestunden "nach feiner englischer Art" zu genießen,
ist unverändert geblieben. |