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A Beautiful Day at the Discotheque


-Biographie-
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Inhalt:
1. Der Weg nach oben
2. Am Ziel angekommen
3. Die Superstars
4. Der neue Traum


Die Superstars

Bereits Anfang 1986 war allgemein bekannt, dass U2 wieder mit dem Team Brian Eno/Daniel Lanois ins Studio gehen würden, mit dem sie auch schon The unforgettable Fire produziert hatten. Die Frage war nur, in welche Richtung sich der U2-Sound entwickeln würde, ob er noch Eno-esquer werden würde. Die Band hielt sich entsprechend bedeckt, nur The Edge versprach in einem Interview, dass das nächste U2-Album "the best album to date" werden würde. Als The Joshua Tree schließlich im März 1987 erschien, erwies sich Edges überheblich erscheinende Prognose als richtig. Die Platte wurde nicht nur U2s bis dahin bestes Album, sondern auch eines der besten Alben des Jahrzehnts. Brian Eno gelang es den U2-Sound von The unforgettable Fire mit Country-and-Western-Strukturen zu paaren und eine bis dahin nicht gekannte schärfe zu verleihen.
Bono VoxDas Album The Joshua Tree wird häufig als "amerikanisches Album" bezeichnet, was in vielerlei Hinsicht auch stimmt. U2 schien von Amerika ebenso fasziniert wie abgestoßen zu sein, was in Songs wie In God's Country und Bullet the blue Sky zu Ausdruck kommt. Den Titel erhielt das Album nach einer kleinen Stadt in Death Valley, California. Die ersten drei Singleauskopplungen With or without you, I still haven't found what I'm looking for und Where the Streets have no Name sind allesamt geprägt von spiritueller Sehnsucht, von Rastlosigkeit und Verwirrung. Songs wie Running to stand still, das an die Drogenproblematik von Bad anknüpft, und Exit strahlen eine Finsternis aus, wie sie bisher noch nie bei U2 aufgetaucht war. Doch auch politische Themen der Zeit wurden in den Songs nicht ausgelassen, so war Bullet the blue Sky eine scharfe Attacke gegen die US-Präsenz in El Salvador, und Mother of the Disappeared klagte Entführung und Folter in Südamerika an. Red Hill Mining Town schließlich beleuchtete das Scheitern der Ehe eines Bergarbeiters während des britischen Bergarbeiterstreiks von 1984/85. Einen der Höhepunkte des Albums bildet jedoch der Song One Tree Hill, der dem verstorbenen Greg Carroll gewidmet ist. Der Song ist nach den vulkanischen Hügeln oberhalb des Hafens von Auckland, Neuseeland, benannt. One Tree Hill ist zugleich der Name der Stadt, wo die Band Greg Carroll zum ersten mal getroffen hatte. Mit diesem Song verneigte sich die Band noch einmal vor ihrem guten Freund und Weggefährten.
Musikalisch waren U2 am Zenit angekommen. Larry setzte seine Snaredrums mal atmosphärisch, mal mit geradezu militärischer Präzision ein, The Edge schaltete seine Gitarre von einem Moment zum nächsten von gefühlvoll auf Heavy Metal um, und zu all dem schlug Adams Baß wie ein menschliches Herz. U2 hatten die Tiefe und Bodenständigkeit gewonnen von der Bob Dylan 1985 sprach.
Als The Joshua Tree schließlich in den Handel kam, öffnete Tower Records in Dublin bereits um Mitternacht die Ladentüren, weil sich endlos lange Warteschlangen gebildet hatten. Unter den Wartenden wurde sogar Elvis Costello gesichtet. Das Album schoß augenblicklich an die Spitze der britischen Charts, die beiden ersten Singleauskopplungen With or without you und I still haven't found what I'm looking for wurden Nummer 1 in den USA. Als U2 ihre Welttournee in den Vereinigten Staaten begannen wurden sie auf eine Stufe mit den Beatles und The Who gestellt, als sie als dritte Rockband überhaupt auf der Titelseite des Time-Magazins erschienen. Der Time-Artikel beschrieb sie als "Rock's hottest ticket", was sie in den anschließenden fünf Shows in der Los Angeles Sports Arena bewiesen. In den USA waren U2 in aller Munde, wurden von den Fans wie von den Medien gefeiert. Als die Band auf dem Dach eines Kaufhauses in Los Angeles das Video zu Where the Streets have no Name drehen wollten, mußte die Innenstadt abgeriegelt werden und die Polizei untersagte die Dreharbeiten. Ein lokaler Radiosender hatte von den Dreharbeiten Wind bekommen und verbreitete die Nachricht unter seinen Hörern. Binnen weniger Minuten waren die Straßen verstopft mit Fans, die ihre Idole sehen wollten. Das Musikvideo zur Single dokumentiert diesen Versuch der vier Iren, in der Anonymität der Großstadt Los Angeles ein Videoclip zu drehen. U2 waren Megastars.
Nach sechs Wochen in Amerika ging die Joshua-Tree-Tor nach Europa, wo U2 mit vielen Freunden und musikalischen Weggefährten wie Lou Reed, UB40 und den Pogues zusammentrafen. Als man dann im Spätsommer 1987 wieder in die Staaten zurückkehrte, steigerte sich die Hysterie um die Band noch. Die Verkaufszahlen für The Joshua Tree stiegen auf erstaunliche 12 Millionen an, die Single With or without you war die bis dahin meist verkaufte Single der Geschichte. The Edge sagte damals: "Nach Joshua Tree glaube ich, dass wir machen können, was wir wollen. Es gibt wohl keinen Bereich, mit dem man uns nicht identifizieren würde." Er sollte recht behalten.
Bono begann während der Tour Songs für Musiker zu schreiben, die er bewunderte. So schrieb er zum Beispiel für die Blues-Legende B.B. King die Songs When Love comes to Town und Lucille, oder für Roy Orbison She's a Mystery to me. Außerdem traf er sich mit vielen anderen Musikern zu Jam-Sessions und saugte die verschiedensten Stilrichtungen auf. Doch nicht nur musikalisch entwickelte sich die ganze Band weiter, Bono begann sich von amerikanischen Schriftstellern wie Truman Capote, Charles Bukowski, Raymond Carver und Norman Mailer zu beeinflussen, ebenso verschlang er die Werke der irischen Schriftsteller Seamus Heaney, Patrick Kavanagh und Brendan Behan. Die Texte, die Bono zu neuen U2-Songs schrieb, wurden zunehmend literarischer, aber auch düsterer. Keine von pubertären Sehnsüchten geprägten Songzeilen mehr, wie man sie auf den Alben Boy und October hörte, sondern fast schon poetische Meisterwerke. Die Texte wurden dem weitreichenden musikalischen Können der Band gerecht.
Auf der Joshua-Tree-Tour wurde dann die Idee geboren einen abendfüllenden Konzertfilm über U2 zu drehen, zumal Under a blood red Sky schon vier Jahre alt war und bei weitem nicht mehr das wieder spiegelte, was U2 mittlerweile waren und taten. Als man dann auch noch den erst 26jährigen Regisseur Phil Joanou kennen lernte, der zuvor kurz mit Steven Spielberg zusammen gearbeitet hatte, nahmen die Pläne Form an, die einmal in Rattle and Hum enden sollten. Zusammen mit Joanou entschied die Band den Konzertfilm auf möglichst viel Dokumentationsmaterial aufzubauen und nur wenige Interviews unterzubringen. So begleitete Phil Joanou die Band auf ihrem zweiten Teil der Tour durch die USA und sammelte schließlich 250 Stunden Filmmaterial an, aus dem dann der Konzertfilm zusammengeschnitten werden sollte.
U2Einer der Höhepunkte des Films, wie auch der anschließenden Platte, wurde der Besuch U2s in den Sun Studios in Memphis, Tennessee, in denen bereits die Rock'n'Roll-Legenden Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und auch Johnny Cash Aufnahmen gemacht haben. Die Band sog den Geist der alten Rock'n'Roll-Zeit auf und nahmen hier die Songs Angel of Harlem zusammen mit den Memphis Horns auf, sowie When Love comes to Town zusammen mit B.B. King und Love rescue me zusammen mit Bob Dylan. Alle drei Songs erschienen dann auch auf dem Album Rattle and Hum.
Unterdessen begann alles, was U2 machten, eine immense Bedeutung zu haben, zumindest wurde in der Öffentlichkeit danach gesucht. Keiner konnte glauben, dass die Band auch etwas "nur zum Spaß" machen konnte. Alles mußte eine tiefere Bedeutung haben. So wurde die Band in Großbritannien zum Thema eines TV-Specials, das sie als ernsthafte, hochpolitische "Kreuzritter des Rock" porträtierten. Doch dies war nicht das Bild, das die Band vermitteln wollte. So sagte dann auch The Edge in einem Interview: "Wir schreiben Songs wie Bullet the blue Sky nicht, weil wir glauben, Reagan wird sie hören und aus Nicaragua abziehen. Es wäre sehr naiv zu glauben, eine Band könnte die Politik verändern." Bereits auf dem Album October hieß es in einer Songzeile "I can't change the world, but I can change the world in me", doch das war es nicht, was man von U2 noch hören wollte.
Im September 1988 erschien dann die Rock'n'Roll-Single Desire als ersten Vorboten des neuen Albums und Konzertfilms Rattle and Hum, mit der U2 zum ersten mal auf Platz 1 der UK-Charts landeten. Das Doppelalbum Rattle and Hum folgte einen Monat später und erzielte Doppelplatin, bevor es überhaupt ausgeliefert wurde. Eine Live-Version des Beatles-Klassikers Helter Skelter eröffnete das Album, das U2s Helden feiern sollte: Bon Dylan und B.B. King mit den Sessions in den Sun-Studios, Jimi Hendrix mit dem Star spangled Banner-Intro zu Bullet the blue sky, John Lennon mit God Part II oder auch Billie Holiday mit Angel of Harlem. Neben brillanten Live-Versionen enthielt das Album eine Handvoll neuer Studiotracks, unter anderem die bemerkenswerten Hawkmoon 269, All I want is you und das von The Edge gesungene Van Diemen's Land.
Filmplakat Rattle and HumZur gleichen Zeit erschien der gleichnamige Film Rattle and Hum. Regisseur Phil Joanou hatte es fertig gebracht, nach neun Monaten aus 250 Stunden Filmmaterial schließlich nur noch 99 Minuten zu machen. Der Film besteht hauptsächlich aus sehr phantasiereichen Liveaufnahmen, die während der Joshua-Tree-Tour gedreht wurden. Nicht die Band steht im Mittelpunkt, sondern die Musik, weshalb das Album Rattle and Hum häufig als Filmmusik bezeichnet wird, obwohl die tatsächliche Filmmusik sich von dem Album in Songs und Versionen unterscheidet Der Film enthält eine Handvoll Tracks, die nicht auf dem Album erschienen, und umgekehrt.
Obwohl das Album Rattle and Hum in Großbritannien und Amerika die Nummer 1 der Charts eroberte, hatte die scheinbar unvermeidliche Gegenreaktion bereits eingesetzt. Film und Album wurden auf versteckte Aussagen hin untersucht und, als keine gefunden wurden, als ein arroganter Versuch der Band interpretiert, sich selbst als Rock'n'Roll-Größen aufzuspielen und sich auf eine Stufe mit den Beatles, Jimi Hendrix oder Bob Dylan zu stellen. U2 zeigten sich entsetzt über diese Art der Interpretation, wollte man mit Rattle and Hum doch nur die Bewunderung für jene Musiker ausdrücken, die sie in den letzten Jahren nachhaltig inspiriert hatten. Ein wesentlicher Kritikpunkt am Film war die Tatsache, dass die Band nichts über sich selbst preisgab, obwohl genau dies der Sinn des Films war. Nicht die Band sollte im Mittelpunkt stehen, sondern ausschließlich die Musik. Nachdem der harte Kern der Fans den Film gesehen hatte, ließ das Interesse nach, und bis Weihnachten war er aus den Kinos verschwunden. Ähnlich erging es den drei Rattle and Hum-Singles Angel of Harlem, When love comes to Town und All I want is you. Während man noch die UK Top 10 erreichte, blieb man in den amerikanischen Bilboard-Charts unter ferner liefen. Es schien, als hätte Amerika genug von U2.
Auch die Band zog sich zurück. Erst im September 1989 tauchte man wieder mit der Lovetown-Tour auf. Sie dauerte vier Monate und führte die Band von Australien und Neuseeland über Japan nach Europa. Amerika wurde bezeichnenderweise ausgelassen. Höhepunkt und Ende der Tour bildeten vier Konzerte im Dubliner Point Depot. Das Abschlußkonzert in der Silvesternacht 1989 wurde im Rundfunk übertragen und so einem Publikum von rund 500 Millionen Menschen zugänglich gemacht. Es sollte ein großes Finale werden, das aber auch die schlimmsten Befürchtungen bei den Fans auslöste. Als die Band in der letzten Nacht der 80er Jahre die Bühne in ihrer Heimatstadt verließ, sagte Bono der Menge: "We have to go away and just dream it all up again". (Wir müssen gehen und unseren Traum noch einmal träumen). Sollte dies etwa bedeuten, die Band löse dich auf???

4. Der neue Traum

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