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A Beautiful Day at the Discotheque
-Biographie-
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Inhalt:
1. Der Weg nach oben
2. Am Ziel angekommen
3. Die Superstars
4. Der neue Traum
Als Bono bekannt gab, die Band müsse "gehen",
löste er verständlicherweise Gerüchte über ein
Auseinanderbrechen der Band aus. Doch das war es nicht, was Bono
zum Ausdruck bringen wollte. Vielmehr wollten die vier Iren eine
längere Pause einlegen, um ihre kreativen Kräfte zu regenerieren.
Wie schon nach Under a blood red Sky
war die Band erneut am Ende eines Weges angekommen, den sie sechs
Jahre zuvor mit The unforgettable Fire
neu eingeschlagen hatten. Sie wollten sich einfach nur auf die Suche
nach einem neuen Weg machen.
U2
hatten in den letzten Jahren unglaubliches geleistet, nicht nur
musikalisch, sondern auch wirtschaftlich ihr Heimatland bereichert.
Die von der Band gegründete Plattenfirma Mother Records
hatte zahlreichen irischen Bands Zugang zu Aufnahmestudios und Produzenten
verschafft, die sie sonst nie gesehen hätten. Die Aufmerksamkeit
der Musikindustrie wurde auf Irland gelenkt, so dass A&R-Leute
aus aller Welt die Clubs von Dublin, Limerick und Cork durchstreiften
in der Hoffnung die "nächsten U2" zu entdecken. Fans
pilgerten nach Dublin, um die Windmill Lane Studios zu besuchen,
oder die Mount Temple School, wo alles begann, und bildeten
so die Vorhut für die Touristenströme, die Irland besuchten,
um die Landschaft und die Musik der "Grünen Insel"
zu erleben. Hinzu kamen mehrere Millionen Dollar aus den Plattenverkäufen,
die U2 ins Land brachte. Die Band wurde zu einem "Industriezweig".
Doch all dies führte auch zu der kreativen Leere, die die Band
nun fühlte. Auf der Suche nach neuen Inspirationen flog die
Band im Sommer 1990 nach Berlin. Nach dem Fall der Mauer erschien
die Stadt als der ideale Aufnahmeort für ein neues Album. Ganz
Deutschland war im Wandel, aber keiner wußte, wohin man sich
verändern sollte und würde. Berlin spiegelte die Veränderungen
wieder, die die Band in sich spürte. U2 wußten, sie mußten
sich verändern, weiter entwickeln, aber keiner wußte,
wohin.
Wenige Tage vor der deutschen Wiedervereinigung traf die Band mit
dem Regisseur Wim Wenders zusammen, unter dessen Regie ein Video
zu dem Song Night and Day entstehen sollte. Noch in Dublin
hatte U2 diesen Klassiker von Cole Porter neu aufgenommen und der
AIDS-Hilfe-CD Red Hot and Blue zur Verfügung gestellt.
Die Coverversion war das erste Anzeichen dafür, in welche Richtung
der neue U2-Sound gehen sollte. Mit der B-Seite der Single With
or without you hatten U2 einen ungewöhnlich düsteren,
melancholischen Pfad betreten. Diesen Pfad wollte die Band wiederfinden
und diesmal noch weiter gehen. Die Band mietete sich ein Haus im
Osten Berlins, kauften sich Trabbies, die sie mit überdimensionalen
Musikanlagen ausstatteten und begannen schließlich mit neuen
Aufnahmen in den Hansa-Studios in Berlin. Hierher hatten sich schon
andere berühmte Musiker zurück gezogen, um an einem neuen,
einem Berliner Sound zu arbeiten, so zum Beispiel David Bowie, Iggy
Pop, David Byrne oder Nick Cave. Produziert wurden die Aufnahmen
von Daniel Lanois, der seid den Aufnahmen zu The
unforgettable Fire in Slane Castle mit der Band zusammen gearbeitet
hatte.
Die aufnahmen gestalteten sich schwieriger als gedacht, da keiner
genau wußte, wohin die musikalische Reise gehen sollte. Die
Band war sich nur darüber einig, was man nicht wollte. So dauerte
es einige Wochen, ehe die Aufnahmen richtig in Gang kamen. Da das
Album noch lange nicht fertig war, als die Studiozeit in Berlin
schon um war, mietete sich die Band eine Villa in der Nähe
des irischen Küstenorts Dalkey südlich von Dublin. Hier
wurde das Album schließlich fertig gestellt.
Dem neuen Album voraus ging die Single The
Fly, die im Oktober 1991 erschien. Dieser äußerst
unkonventionelle Song sollte den Weg für das neue Album bahnen,
das auf aller Welt erwartet wurde. Er brach mit allem, was man bisher
von U2 gewohnt war. Das Video zeigt Bono in schwarzem Leder mit
riesigem Schatten und Sonnenbrille, mit den männlichen Urinstinkten
ebenso kämpfend wie mit der allgegenwärtigen Fernbedienung.
The Fly schoß an die Spitze
der Charts und bereitete den Weg für ein Album, das sich mit
nichts vergleichen ließ, wofür U2 bisher standen. Der
Titel des neuen Albums, Achtung Baby,
stammt von U2s Tontechniker Joe O'Herlihy, der den Spruch häufig
benutzte, als die Band in Berlin war. Vom Titel, über die Coverfotos
bis zur Musik kratzte die Band an dem Mythos, den sie in den vergangenen
Jahren um sich aufgebaut hatten. Doch trotz aller Oberflächlichkeit,
die U2 zur Schau stellten und mit der sie kokettierten, war ihre
Musik voll gewohnter Ernsthaftigkeit. Die Texte befassen sich mit
der dunklen Seite der Seele, handeln von sexueller Besessenheit,
von Sünde und Verrat. Musikalisch standen diesmal die Rythmusinstrumente
im Vordergrund, speziell Larrys Drum-Sound.
Doch
damit nicht genug, U2 wollten noch einen Schritt weiter gehen. Der
Golfkrieg hatte die Perversion des Medienzeitalters zu Tage treten
lassen. Während der Krieg, inszeniert wie ein Videospiel, live
in alle Haushalte transportiert wird, zappt man zwischen Daily-Soap
und Blutbad hin und her und beginnt, Realität und Fiktion miteinander
zu vermischen. Waren U2-Tourneen bisher recht einfach, geradezu
klassisch gestrickt, sollte die neue Show das Videozeitalter und
die damit verbundene Informationsschwemme reflektieren. Auf der
Bühne wurden gigantische Videoleinwände neben unzähligen
Monitoren aufgebaut, die ein non-stop-Feuerwerk von Bildern sendeten.
Unter der Bühnendecke hingen Trabants, die mit ihren Scheinwerfern
die Bühne beleuchteten. Doch damit nicht genug, ein weiterer
vollverspiegelter Trabant diente als Disco-Kugel. Bono spielte The
Fly, ganz in schwarzes Leder gekleidet, mit Sonnenbrille, glatt
zurückgekämmtem Haar und neuem Sex-Protz-Image, wie man
es doch von einem Rockstar erwarte. Bei den Zugaben kam er als The
Mirror Man zurück, gekleidet in einen silbernen Lamé-Anzug,
selbstverliebt in sein Spiegelbild. Die Show war eine Hommage an
den Glam-Rock und gleichzeitig eine Abrechnung mit allem, wofür
Rock'n'Roll steht.
Die Tour begann im Februar 1992 in den USA, kam dann nach Europa,
um schließlich wieder nach Amerika zurück zu gehen. Adam
machte den Vorschlag, dass Bono ein Funktelefon mitnehmen sollte,
um während der Show bei irgendwelchen Leuten anrufen zu können.
Bonos telefonate wurden zum Höhepunkt einer jeden Show. So
sprach Bono wärend der Konzerte unter anderem mit dem damaligen
amerikanischen Präsidenten George Bush, oder er bestellte 100.000
Pizzas.
Die ganze Bühnenshow war als Reaktion zu verstehen auf die
Vorwürfe, U2 hätten wärend Rattle
and Hum ihren übersteigerten Egoismus zur Schau gestellt.
Bono folgerte daraus, wenn ihn die Leute nunmal als krankhaft selbstsüchtig
begriffen, dann könne er sich auch entsprechend darstellen.
Je länger die Tournee andauerte, desto mehr gefallen schien
die Band daran zu finden. U2 hatten den Geist des Rock'nRoll wiederentdeckt,
ebenso ihren Sinn für Humor und den Hang, nicht alles vorberechnen
zu wollen, was ja ursprünglich den Reiz von U2 ausmachte. Auch
wenn U2 ihr Image als ernsthafte Wortführer des Rock ablegten,
engagierte sich die Band wie selbstverständlich weiterhin für
politische Aktionen. So demonstrierte die Band im Sommer 1992 gegen
eine Erweiterung der atomaren Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield
und gehörte zu den Mitorganisatoren eines Stop Sellafield
Festivals.
Im Herbst 1992 endete die Zoo-TV-Tour, doch U2 planten für
den Sommer 1993 weitere Konzerte in Europa. Diesmal sollte es aber
keine Hallen-Tour werden, sondern man wollte die Stadien Europas
füllen. Außerdem sollte eine EP mit neuem Material herausgebracht
werden. Doch schon mit Beginn der Aufnahmen erwies sich die Studioarbeit
als hervorragender Ausgleich zum Tourstress und aus der EP wurde
ein komplettes Album. Das neue Album Zooropa
beschäftigte sich mit der Welt des Audio-Visuellen, des Cyberspace
und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft, wie er in den visionären
Romanen des Science-Fiction-Autors William Gibson beschrieben wird.
Die Band hoffte das neue Album bis Ende Juni fertigzustellen, allerdings
mußten sie auch die Zooropa-Tour-Termine wahrnehmen.
Die neue Tour, die am 9. Mai 1993 in Rotterdam begann, war noch
mehr eine High-Tech-Show als die Zoo-TV-Tour. Die Leinwände
wurden noch größer, die Bühne wimmelte vor Monitoren
und die visuellen Effekte und Bilder wurden noch exzentrischer und
surrealer als bisher gewohnt. Vor diesem Hintergrund spielte Bono
seine bislang verrückteste Rolle, die des Mister MacPhisto,
eine Mischung aus aus Mephisto, dem Faust seine Seele verkauft,
und McDonalds, als Anspielung darauf, dass auch der Teufel nur ein
Produkt ist.

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